Archiv für Mai 2009

Größere Käfige, längere Ketten!

1maiText für die DGB-Demo am 1.Mai in Göttingen

Der 1. Mai
Der 1. Mai in Zeiten der Krise. Die Gewerkschaften treffen sich zu ihrem „Tag der Arbeit“, und die Linkspartei ist sicher auch dabei. Bei Bratwurst und Bier wird der Feiertag heutzutage vor allem von Forderungen nach Reformen und sozialpartnerschaftlichen Bestrebungen bestimmt.
„Wir müssen alles tun, um die Beschäftigung zu sichern“, mahnte neulich DGB-Chef Sommer. In der Zeit, als der erste Mai zum „Kampftag der ArbeiterInnen“ geworden war, ging es keineswegs darum, die „Beschäftigung“ zu sichern. Als zum 1.Mai 1886 in Nordamerika ein Generalstreik ausgerufen wurde, ging es um die Erkämpfung arbeitsrechtlicher Mindeststandards – gegen den Willen von Staat und Wirtschaft. Aus dem „ArbeiterInnen-Tag“ wurde der „Tag der Arbeit“. Der Staat wird angerufen, die Arbeit zu erhalten und zu verteidigen. Er soll dafür sorgen, dass die angeblich außer Kontrolle geratenen Finanzmärkte wieder auf den moralischen Grund und Boden des hiesigen Kapitalismus gebracht werden. Kurz: der Staat muss es richten, wenn es um Arbeit, Krise und das leibliche Wohl geht….wer auch sonst. Ob Oskar Lafontaine, Horst Köhler oder der Vorstand des DGB, alle sind sich einig: das Wohlergehen der Menschen muss vom Staat sichergestellt werden. Und wenn sie vom Wohlergehen sprechen, meinen sie vor allem eins: die Arbeit.

Die Arbeit
Aber was ist denn so toll an „der Arbeit“? Warum protestieren Menschen – gerade auch am 1. Mai – immer wieder dagegen, dass ihnen die Arbeit weggenommen werden soll, wo sie doch zugleich über jeden freien Tag und ihren spärlichen Urlaub froh sind? Ohne Arbeit kein Einkommen, ohne Einkommen kein Essen. Das ist in der Regel die so einleuchtende wie absurde Antwort auf diese Fragen. Wir leben in einer Welt, in der der gesellschaftliche Reichtum längst für ein schönes Leben für alle reichen würde und in der es durch die hochentwickelte Technik immer weniger menschlicher Arbeitskraft bedarf. Anstelle dass sich die Menschen aber darüber freuen können, dass eine Maschine nun ihren Job übernehmen kann und sie mehr Freizeit haben, müssen sie stattdessen fürchten, dass sie ihren Arbeitsplatz und damit ihr Einkommen verlieren. Was ist das für eine verrückte Welt, in der es den Menschen schlechter geht, je weniger menschliche Arbeit nötig ist?
Die kapitalistische Gesellschaft, in der wir leben, ist eine Ordnung der sozialen Ungleichheit. Sie begünstigt die, die Geld und „Vermögen“ haben und benachteiligt und bedroht die Existenz derer, die nichts oder nur wenig haben und sich durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft über Wasser halten müssen. Gleichheit gibt es nur abstrakt, jedeR hat die gleichen Rechte, aber längst nicht die gleichen Möglichkeiten. Unter den ArbeitgeberInnnen herrscht im Kapitalismus durch den Konkurrenzdruck ein Zwang zur Profitmaximierung. Dieser führt unweigerlich dazu, dass die BesitzerInnen der Produktionsmittel versuchen, die Löhne und Produktionskosten möglichst niedrig zu halten. Durch die Abhängigkeit der ArbeiterInnen von ihren Gehältern sind Arbeitskonflikte im Kapitalismus vorprogrammiert.
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