Veranstaltungsreihe „Know your enemy“

knowKNOW YOUR ENEMY – Veranstaltungsreihe 24.11 – 15.12

Einleitung:
Nazis, RassistInnen, NationalistInnen, Sexisten, AntisemitInnen – es gibt eine Menge Arschlöcher. Göttingen hat noch immer den Ruf als linke Hochburg, in denen die rechten Freunde von Unterdrückung und Diskriminierung keinen Platz haben. Aber auch hier laufen Menschen mit komischen bunten Hüten oder Thor Steinar-Klamotten unbehelligt durch die Straßen. Viele wissen gar nicht, was es damit auf sich hat – andere, die es wissen, sind sich nicht sicher, wie sie sich bei einem Aufeinandertreffen verhalten sollen.

Wir wollen mit unserer Veranstaltungsreihe einen Überblick vermitteln, welche reaktionären Gestalten sich in Göttingen und Umgebung tummeln. Verbindungsstudenten verschiedenster Couleur werden im Stadtgebiet und auf dem Uni-Campus immer präsenter, im Ostviertel sind sie mit Hut und Schärpe bereits allgegenwärtig. Immer öfter sind vereinzelte Nazis in der Innenstadt anzutreffen. Auch wenn dies in Göttingen (noch) recht selten der Fall ist, sieht die Situation in der direkten Umgebung deutlich anders aus: im Harz und anderswo gibt es seit Jahren feste Nazistrukturen, die für die dort lebenden Menschen, die nicht in das einfältige Nazi-Weltbild passen,eine ernste Bedrohung darstellen. Zunehmend tritt auch eine weitere unangenehme Gruppe öffentlich auf: christliche FundamentalistInnen, die gegen Abtreibung und sexuelle Selbstbestimmung mobil machen.

Bei genauerem Hinsehen werden die Überschneidungspunkte zwischen Nazis, Burschis und Hardcore-Christen offensichtlich. Am auffälligstem wird dies am Beispiel der Göttinger Burschenschaft Hannovera deutlich. Als Teil des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ gehört sie selber zum extrem rechten Rand des Verbindungswesens; ihre Mitglieder haben sowohl Kontakte ins neonazistische Spektrum als auch zu christlichen FundamentalistInnen. Exemplarisch sei hier ihre Veranstaltung „Ein Volk entsorgt seine Kinder“ mit dem sogenannten christlichen „Lebensschützer“ Manfred Libner erwähnt, die im April unter Protest auf ihrem Haus stattfand.
Der gemeinsame Nenner dieser Gruppen liegt irgendwo zwischen Nationalstolz, autoritärem Denken, konservativem heißt patriarchalem und heterosexistischem Weltbild und Verteidigung der Volksgemeinschaft. In unseren Veranstaltungen wird es darum gehen zu verdeutlichen, was diese Gruppen machen, welche Inhalte/Ideologien dahinter stehen und warum diese der Forderung nach einer freieren Gesellschaft entgegen stehen.

In Bezug auf Neonazis werden wir zusätzlich in einer Veranstaltung allgemein auf ihre Codes und Erkennungszeichen eingehen, mit besonderem Augenmerk auf die Entwicklungen der sogenannten „Autonome NationalistInnen“.
Ohne Frage gibt es Unterschiede zwischen Neonazis, Burschis und Hardcore-Christen. Da sich diese Gruppen in Ideologie und Praxis unterscheiden, muss auch eine linke Antwort auf ihr öffentliches Auftreten unterschiedlich ausfallen. Gleich ist ihnen allen, dass sie jeglicher Emanzipation entgegen stehen und die Bedrohung und Diskriminierung bestimmter Gruppen (MigrantInnen, Homosexuelle, Frauen etc.) aufrecht erhalten oder gar verstärken wollen – sei es durch Einfluss in Politik und Wirtschaft oder im „Kampf um die Straße“. Nicht zuletzt wollen wir daher auch eine Diskussion anregen, was wir gemeinsam gegen sie tun können.

Gruppe Gegenstrom, November 2009

Veranstaltungen:

  • Studentenverbindungen – Eine kritische Betrachtung | Dienstag 24.11.2009 | 20 Uhr ZHG 003 Universität
    In Deutschland gibt es ungefähr 1.000 Studentenverbindungen mit ca. 22.000 studierenden Mitgliedern und 135.000 Alten Herren. Alleine in Göttingen existieren über 40 Verbindungen: Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften, Sänger- und Turnerschaften, Gildenschaften etc. Die verschiedenen Arten von Studentenkorporationen unterscheiden sich in einigen Punkten voneinander, sie haben allerdings auch Gemeinsamkeiten die ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert haben und bis heute gültig sind. Ein Beispiel hierfür ist das Lebensbundprinzip: Einmal korporiert – immer korporiert.
    Die Veranstaltung soll über die Geschichte sowie die Gegenwart der Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich informieren, sowie ihre reaktionären Traditionen, Ideologien und Strukturen beleuchten.
    ReferentInnen: Gruppe Gegenstrom
  • Versteckspiel / ‚Autonome Nationalisten‘ – Nazi-Codes und Lifestyle / Das neue Phänomen der ‚AN‘ | Dienstag 01.12.2009 | 19 Uhr DGB – Haus
    Der Vortrag beleuchtet die Codes und Symbole rechter Jugendlicher und ihren Zusammenhang mit einem Lifestyle, zu dem auch bestimmte Markenkleidung gehört.
    Im zweiten Teil wird es dann um das relativ junge Phänomen der ‚Autonomen Nationalisten‘ gehen, welche spätestens seit dem Neonazi-Aufmarsch 1. Mai 2008 in Hamburg, durch gewalttätige Übergriffe in größere mediale Erscheinung getreten sind. ‚Autonome Nationalisten‘ zeichnen sich durch eine Übernahme des Kleidungsstils und der Aktionsformen der linksradikalen Szene aus.
    Es wird aufgezeigt, woher sie kommen, wer sie sind und worin ihre Gefährlichkeit besteht.
    Zu Gast: Ein Referent des Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (APABIZ)
  • Rückenwind für die nationale Opposition? – Die aktuelle Neonaziszene in Südniedersachsen | Donnerstag 10.12.2009 | 20 Uhr Theaterkeller
    Nach dem Austritt bekannter Partei-Funktionäre aus der NPD im Jahr 2004 tritt die extreme Rechte in Göttingen nur noch selten offen auf. Auch Nazidemonstrationen und -kundgebungen sind in Südniedersachsen seit 2006 ausgeblieben. Doch vor allem im Göttinger Umland organisierte sich die extreme Rechte neu. Sie kann dabei auf ein Netzwerk aus Versänden, Läden und fest in der Szene verankerte Größen in der Region bauen. Allein ein genauerer Blick auf den Personenkreis, der in die Geschehnisse um die Table-Dance Bar ‚Strip‘ im November 2008 beteiligt war, zeigt eine heterogene Szene, die sich aber in ihrer menschenverachtenden Ideologie einig ist.
    Der Vortrag setzt sich mit den jüngsten Vorkommnissen in Südniedersachsen auseinander, beleuchtet die aktuellen Akteur_innen der extremen Rechten und fragt nach der momentanen Organisierung und Vernetzung der regionalen Szene.
    Zu Gast: Kai Budler, Journalist
  • langer Ankündigungstext bei monsters of göttingen
    Artikel über die Veranstaltung beim Pony Stadtmagazin(pdf)

  • Ach du lieber Gott! – Christlicher Fundamentalismus und das Comeback der Religion | Dienstag 15.12.2009 | 20 Uhr JuzI
    Ihre weltliche Herrschaft hat die Religion glücklicherweise weitgehend eingebüßt. Die Kanzlerin wird vom Bundestag gewählt und nicht mehr vom Papst eingesetzt und die Welt wird heute jeden Abend von Galileo auf Pro7 erklärt, nicht mehr Sonntag morgens von der Kanzel herab.
    Gänzlich von Wissenschaft entzaubert will sie jedoch einfach nicht verschwinden. Die Religion scheint in der westlichen Welt zur Privatsache geworden zu sein, jede_r kann mit sich selbst ausmachen an was und wen geglaubt wird. Über diese Hintertür jedoch hält Religion wieder Einzug ins Öffentliche und beweist, dass sie alles andere als erledigt ist.
    Es sind gerade die radikalen Christen, vor allem die Evangelikalen die seit Jahren Zulauf haben und trotz (oder gerade wegen) ihres Hasses auf Schwule und Lesben, trotz ihres Antisemitismus und Rassismus, trotz ihrer repressiven Sexualmoral und militanten, sexistischen Ablehnung von Abtreibung von den beiden großen Kirchen hoffiert werden wo es nur geht.
    In dem Vortrag soll vor allem der Frage nachgegangen werden, wie sich Religion in der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur transformiert und erhält sondern auch ein Comeback feiert. Daneben wollen wir einige der widerlichsten Erscheinungen des christlichen Fundamentalismus in der Region vorstellen und aufzeigen wie und wo sie ihr Unwesen treiben.
    Die Referenten:Patsy und Fred
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