gruppe gegenstrom http://gegenstrom.blogsport.de Ein weiteres tolles WordPress Blog Thu, 27 Nov 2014 20:19:29 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Veranstaltung: Völkische Verbindungen http://gegenstrom.blogsport.de/2014/11/27/veranstaltung-voelkische-verbindungen/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/11/27/veranstaltung-voelkische-verbindungen/#comments Thu, 27 Nov 2014 20:19:29 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/11/27/veranstaltung-voelkische-verbindungen/

Samstag | 13. Dezember | 20:00

Das deutschnationale Korporations(un)wesen in Österreich
Broschürenpräsentation und Mobilisierung gegen den „Akademiker-Ball“ 2015

Im Rahmen einer Präsentation der Neuauflage der Broschüre „Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich“ soll der gesellschaftliche Einfluss von Burschenschaften in Österreich, ihre Geschichte, Brauchtum und psychosoziales Profil nachgezeichnet und die Notwendigkeit, gegen die elitären Männerbünde vorzugehen, aufgezeigt werden. Zudem wird im Vortrag über die bisherigen sowie die geplanten Proteste gegen den „Akademiker-Ball“ 2015 informiert.

Eine Veranstaltung der Gruppe Gegenstrom mit dem NOWKR Bündnis aus Wien.


60 Mal fand jährlich Ende Jänner/Anfang Februar der inzwischen auch über die Grenzen Österreichs bekannte Burschenschafter-Ball als Ball des Wiener Korporationsrings (WKR), einem Dachverband deutschnationaler, national-liberaler und extrem rechter wiener Burschenschaften, Corps und Landsmannschaften statt, seit 1987 sogar in den Festsälen der Hofburg, einem dem repräsentativsten Gebäuden Österreichs. Die Bedeutung dieses Balls ergab sich jedoch nicht nur dadurch, dass deutschnationale Burschenschaften in Österreich wahrlich kein marginalisiertes gesellschaftliches Randphänomen darstellen, sondern vielmehr ein Verbindungsglied zwischen dem parteiförmigen Rechtsextremismus im Parlament in Form der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreich) und des organisierten Neonazismus darstellen. Hinzu kam die über einige Jahre andauernde große Präsenz internationaler Größen des Rechtsextremismus, die deutlich machte, dass die Hofburg zu diesem Anlass auch als Vernetzungsort der europäischen Rechten fungierte. So nahmen in den vergangenen Jahren VertreterInnen von Parteien wie dem Vlaams Belang, Front National, Schweizer Volkspartei oder Pro Köln und Pro NRW an dem Ball teil. Zudem galt der Ball als größtes couleurstudentisches Event im deutschsprachigen Raum, das sich laut Eigenangaben mit 2000-3000 BesucherInnen jährlich rühmte. Trotz bzw. wegen der andauernden Kritik am Ball und seiner Gäste übernahm die Wiener Landesgruppe der FPÖ die Organisation des Balls 2013 und das Event wurde in „Wiener Akademiker-Ball“ umbenannt.

Nach Demonstrationsverboten, nach Platzverweisen und Sperrzonen und nachdem die Proteste 2011 im Rahmen des gegen Massenproteste gerichteten EU-Forschungsprogramms „Godiac“ („Good practice for dialogue and communication as strategic principles for policing political manifestations in Europe”) beobachtet wurden, hätte man eigentlich glauben können, dass die Repression der Polizei nicht mehr zu toppen wäre. Dennoch hat sie 2014 neue Formen angenommen: die gesamte Wiener Innenstadt wurde zur Sperrzone erklärt und in neun Bezirken der Stadt mitten im Winter das Tragen von Hauben und Schals mittels eines Vermummungsverbots untersagt. Ein halbes Jahr saß zudem Josef S. aus Jena in Untersuchungshaft. Ihm wurde auf Basis einer spärlichen Beweislage unter anderem Landfriedensbruch und Rädelsführerschaft im Zuge von Sachbeschädigungen während der Proteste gegen den „Akademikerball“ vorgeworfen. Die Vermutung, dass durch die österreichische Justiz hier ein Exempel gegen das medial und politisch konstruierte Feindbild der (deutschen) „linksextremen Berufsradalierer“ statuiert werden sollte, wurde auch im darauf folgenden Prozess bestätigt.

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Nationale Befreiung oder Befreiung von der Nation? http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/nationale-befreiung-oder-befreiung-von-der-nation/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/nationale-befreiung-oder-befreiung-von-der-nation/#comments Fri, 27 Jun 2014 13:49:17 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/nationale-befreiung-oder-befreiung-von-der-nation/ Veranstaltung zur Kritik des (linken) Nationalismus

Texte zur Veranstaltung

Thorsten Mense ist Soziologe und freier Autor (Jungle World, Konkret). In dem Vortrag wird es um Geschichte und Funktion des Nationalismus gehen, mit Fokus auf die (vermeintlich) linken Varianten und Nationalen Befreiungsbewegungen. Dabei wird aus einer ideologiekritischen Perspektive seine Funktionalität in der widersprüchlichen Moderne aufgezeigt und dem Verhältnis von Befreiung und Regression im Nationalismus nachgegangen. Nicht zuletzt soll es um Möglichkeiten und Grenzen einer antinationalen Kritik gehen.

Wenn man die alltägliche Gewalt und die historischen Massengräber des Nationalismus betrachtet, verwundert es, dass linke Bewegungen auch heute noch im Nationalismus das Instrument zur Befreiung sehen. Tatsächlich stand – im bürgerlichen Sinne – hinter dem Konzept der Nation historisch aber auch eine emanzipatorische Idee: Es ging darum, Untertan_innen unabhängig von Herkunft und Stand zu gleichen und freien Subjekten zu machen, die sich im freiwilligen Zusammenschluss eine rationale politische Ordnung geben. Bekanntermaßen ist daraus nichts geworden. Stattdessen wurde die Idee der Nation für die demokratische Transformation der Gesellschaft schon bald von kulturalistischen und rassistischen Grenzziehungen im Namen der Nation verdrängt. Nationalismus wurde zur ideologischen Grundlage für die Legitimation des Ausschlusses und der Gewalt gegenüber den „Anderen“. Als Zwangskollektiv lässt das Konstrukt der Nation dabei auch die „Eigenen“ nicht in Ruhe. Diese Entwicklung von der revolutionären Idee zur ethnischen Ausgrenzungsideologie war kein Zufall oder Resultat einer unglücklichen Abfolge historischer Ereignisse, sondern liegt in den gesellschaftlichen Verhältnissen der Moderne begründet. Nationalismus stellt keine Kritik an den herrschenden Verhältnissen dar – sondern ist selber ein Teil von ihnen. Trotzdem hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg jede Revolution in nationalen Begriffen definiert. Und auch im globalisierten postkolonialen 21. Jahrhundert wird Befreiung weiterhin vorrangig national gedacht. Daraus ergeben sich viele Fragen: Wer soll heutzutage eigentlich von wem befreit werden? Wie kann es sein, dass baskische Kommunist_innen und deutsche Nazis beide ein „Europa der freien Völker“ fordern? Und wie kommt es, dass die Menschen bis heute massenhaft bereit sind, für diese „kümmerlichen Einbildungen der jüngeren Geschichte“ (Benedict Anderson) zu töten, zu sterben oder sich sonstwie aufzuopfern?

Freitag 11. Juli 2014 | 20:00 Uhr | Café Kabale

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe | Roter Salon |
In Zusammenarbeit mit der Gruppe Gegenstrom Göttingen

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EU-Gipfel in Turin am 11. Juli – abgesagt! http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/eu-gipfel-in-turin-am-11-juli-abgesagt/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/eu-gipfel-in-turin-am-11-juli-abgesagt/#comments Fri, 27 Jun 2014 13:43:46 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/eu-gipfel-in-turin-am-11-juli-abgesagt/ Am 11. Juli 2014 sollte in Turin der EU-Gipfel zur Förderung der Jugendbeschäftigung stattfinden. Inzwischen ist er abgesagt – aus Angst vor Randale.

Im Rahmen der italienischen Ratspräsidentschaft hatten hochrangige Regierungsvertreter der EU geplant, über eine »Jugendgarantie« für arbeitslose Jugendliche zu verhandeln. Die geplanten Maßnahmen hätten zum Ziel gehabt, die durch Krise und Austeritätspolitik massiv gestiegene Jugendarbeitslosigkeit in Europa wegzuverwalten. Jugendliche sollten nach spätestens vier Monaten Erwerbslosigkeit in den Arbeitsmarkt vermittelt werden – vor allem in prekäre Jobs, schlechte Ausbildungen und unbezahlte Praktika. Die »Jugendgarantie« sollte die zynische Antwort der herrschenden Politik auf die Situation von knapp sechs Millionen jungen Erwerbslosen sein, die in Folge der gegenwärtigen Krise und der Austeritätspolitik in der EU insbesondere im Süden Europas arbeitslos geworden sind. Der Gipfel sollte damit signalisieren, dass die Krise vorüber ist und es auch bei der Jugendarbeitslosigkeit Fortschritte gibt. Auch hätten sich die europäischen Regierungschefs gern wohl als erfolgreiche Politiker des Nach-Krisen-Chaosmanagements gebrüstet. Und der italienischen Regierung unter Renzi wäre zudem ein solches Event als Krönung der EU-Ratspräsidentschaft gut zupass gekommen.

Seit der Bekanntgabe des Termin haben viele Gruppen und Organisationen in ganz Europa zu Protesten in Turin mobilisiert, so auch das …ums Ganze!-Bündnis. Die Proteste in Turin hätten das Ziel gehabt, das auf Dauer gestellte Austeritätsregime zu delegitimieren. Denn für die meisten Menschen ist die Krise noch lange nicht vorbei, sie ist vielmehr zu einer Krise in Permanenz geworden – da helfen weder die einfühlsamen Wirtschaftsreportagen der FAZ noch das Frisieren der Arbeitslosenzahlen durch EU-»Jugendgarantien«.

Das europaweite Zusammenspiel zahlreicher linker Gruppen und Strömungen, die nach Turin mobilisiert haben, hat die Situation für Polizei und Krisenakteure anscheinend so unkalkulierbar gemacht, dass die europäischen Regierungen die Veranstaltung jetzt kurzfristig abgesagt und auf den Herbst vertagt haben, mit noch ungenauem Datum und unbestimmtem Ort, möglicherweise wird es Turin, möglicherweise Brüssel. Für uns heißt das erstmal: Den geplanten Sommerurlaub absagen. Wer trotzdem Lust auf Campen, Diskutieren und Kiffen mit italienischen Genoss*innen hat, verbummelt das Wochenende nicht in Turin bei Pistazieneis, sondern auf offenen Versammlungen und Protesten im fünfzig Kilometer entfernten Val de Susa bei den Protesten gegen Prekarisierung und die aktuellen einschneidenden italienischen Gesetzesverschärfungen beim Recht auf Wohnraum. Für alle anderen: See you on the barricades! Bei antirassistischen Protesten nach der Räumung der Berliner Refugee-Schule, am 3. Oktober in Hannover (»Was ihr feiert: Armut, Ausgrenzung, Leistungszwang«, oct3.net) oder spätestens bei den Protesten gegen die Eröffnung der neuen Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

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Gegen den Burschentag in Eisenach 2014 http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/272/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/272/#comments Fri, 27 Jun 2014 13:38:38 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/272/

Aufruf


Bündnis gegen Burschentage

Gegen alle Männerbünde!

Die Deutsche Burschenschaft zerlegt sich selbst. Auch nach dem vergangenen Burschentag in Eisenach ebbt die Austrittswelle nicht ab: Fast die Hälfte aller Bünde hat den Verband in den letzten drei Jahren seit dem Skandal um den sogenannten „Arierparagraphen“ und der damit einhergehenden Eskalation der Flügelkämpfe verlassen. Die verbliebenen Verbindungen sind die offen völkischen und faschistischen, ausgetreten sind die nationalkonservativen und die, denen ihr Image dann doch wichtiger war als die Tradition. Kurz: Der einst bedeutendste studentische Korporationsverband ist nicht mehr das, was er einmal war.

Eines jedoch ist geblieben: Die Mitgliedsbünde der Deutsche Burschenschaft sind Männerbünde – und mit ihnen auch die angeblich „liberalen“ Bünde, die die DB in den letzten Monaten und Jahren verlassen haben, und überhaupt nahezu alle deutschen und österreichischen Studentenverbindungen.

Die Idealisierung martialischer Männlichkeit, Homophobie, völkischer Nationalismus, Sexismus und antifeministische Agitation sind noch immer Gang und Gäbe in sämtlichen Burschenschaften.

You can’t get out of the Männerbund and the Männerbund can’t get out of you

Es ist keine harmlose Freundschaftsclique, die sich auf den Verbindungshäusern versammelt, sondern ein elitärer Männerbund. Deutsche Freundschaft, zu Goethes und Schillers Zeiten noch als romantisch und zärtlich gedacht, entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Bund, der sich ganz der Nation verschrieb. Fortan waren und sind individuelle Gefühle nicht mehr Ausdruck einer gegenseitigen Zuneigung, sondern dem einenden Nationalen unterzuordnen und auf dieses ausgerichtet. An der Spitze dieser Bewegung standen die Burschenschaften und Studentenverbindungen, die sich seit eh und je männerbündisch organisierten. Die Freundschaft, von der die Burschen auch heute noch so ehrfürchtig daher reden, ist in diesem Sinne vor allem erstmal nationalistisch aufgeladen.

Wenn sich die Bundesbrüder ihre Liebe schwören, von wahrhafter Kameradschaft und ewiger Freundschaft des Lebensbundes schwärmen, wenn sie in der reinen Männergesellschaft sich bierselig in den Armen liegen, sich ganz nahe kommen und emotional ergriffen sind, dann stellen sie rauschhaft eine enge Gemeinschaft her. Dennoch, da sind sie sich einig, hat das nicht im geringsten etwas mit Homoerotik zu tun. Es gilt jeden noch so kleinsten Verdacht der Homosexualität abzuwehren und zu verdrängen – denn Schwulsein bedeutet in ihren Augen wenig mehr als den Verlust von Männlichkeit und Selbstbeherrschung. Um sich dessen zu vergegenwärtigen bedarf es allerdings noch nicht einmal des Blickes auf die Studentenverbindungen, ist eine solche Abwehr von Homosexualität bei gleichzeitigem Ausleben innigster gleichgeschlechtlicher Gemeinschaft doch auch in den ganz alltäglichen Männerrunden ebenso wie in sonstigen männerbündisch organisierten Gruppen zu finden.

Der Männerbund ist durch eine Hierarchie der einzelnen Mitglieder untereinander gekennzeichnet. Im Unterschied zum Kegelverein um die Ecke ist diese in den Verbindungen aber derart eingerichtet, dass sie strikt institutionalisiert sich auf alle Lebensbereiche der Männerbündler ausweitet. Opferbereitschaft und Fügsamkeit werden so als Teil eines autoritären Charakters besonders gefördert. Um von der Macht des Bundes profitieren zu können, gilt es zunächst in diesem aufzugehen. Individualität und eigene Bedürfnisse müssen im Männerbund hinter den zentralen Werten von Gemeinschaft und Brüderlichkeit zurückstehen. Kein Wunder also, dass die Verbinder auf besonders gewaltsame Zurichtung stehen: Die Ideale soldatischer Männlichkeit werden in besonderer Härte vor allem gegen sich selbst eingeübt. Ziel dieser Männlichkeitsrituale – allen voran der Mensur – ist das völlige Aufgehen in der Gemeinschaft. Die Belohnung für Härte und Selbstaufgabe ist die Teilhabe an der Macht des Männerbundes und das Bewusstsein zur rangüberlegenen Gruppe zu gehören. Diese „natürliche Berufung und Eignung zur Führung“ können Frauen und „weibische“ Männer – so das Denken der Verbinder – nicht inne haben. Elitedenken at its best!

Es könnte uns ja eigentlich herzlich egal sein, wenn die Burschen sich beim Fechten die Gesichter aufschlitzen oder nach dem x-ten Trinkritual durch ihre Häuser stolpern – doch all das – Schwäche, Sinnlichkeit, Passivität – , was sie bei sich verleugnen und mühsam aus ihrem Charakter verbannen müssen um ihrem eigenen Männlichkeitsbild gerecht zu werden, werten sie bei denen ab, denen sie diese Eigenschaften andichten. Deswegen sind sie homophob und sexistisch und deswegen finden wir sie nach wie vor zum Kotzen!

Gerne wird Verbindungen „Frauenfeindlichkeit“ vorgeworfen – wir sagen: Das greift zu kurz! Zwar bringen Verbindungen eine besonders dramatisierte Männerrolle und heldische Männlichkeit hervor, diese fällt aber ja nicht einfach vom Himmel, sondern ist vielmehr eine Zuspitzung dessen, was bürgerliche Männlichkeit ohnehin schon ausmacht. Während sich Geschlechterrollen aber heutzutage verändern, während neue Entwürfe von Familie und Zusammenleben Einzug halten und gar homosexuelle Ehen mittlerweile möglich sind, veranschaulichen Burschen und Verbinder dennoch, worauf diese Gesellschaft noch immer ideologisch und historisch aufbaut.

Studentenverbindungen im Allgemeinen und die Deutsche Burschenschaft im Besonderen sind Ausdruck des patriarchalen Prinzips der bürgerlichen Gesellschaft. Mal mehr und mal weniger offensichtlich und mal mehr und mal weniger überzeichnet lassen sich an ihnen Kennzeichen der patriarchalen Normalität ablesen – sind sie doch schließlich so alt wie die bürgerliche Gesellschaft selbst.

All these dirty little boys that think that the girls were only made for toys

In der Vorstellung der Männerbündler wendet sich ihr Bund gegen übermächtige emanzipatorische und feministische Überzeugungen, die – schon längst Mainstream geworden – den Verlust männlicher Identität nach sich zögen. Aus dieser vorgestellten Bedrohungssituation speist sich die Aggressivität und Kompromisslosigkeit männerbündischer Ideologie. So glauben etwa die Burschen der DB, die tradierten Geschlechterrollen, ja eigentlich das gesamte Abendland gegen „Gender-Wahn“ verteidigen zu müssen.

Der Männerbund muss vor Frauen und ihrem negativen Einfluss geschützt werden. Und da diese Bedrohung gemäß der männerbündischen Vorstellung überall ist, müssen dagegen beständig Dämme errichtet werden. Der Mann muss sich mit einem Panzer versehen, muss sich so sehr verhärten, dass er gegen die weibliche Verführung gewappnet ist. Die Angst vor dem Weiblichen erstreckt sich dabei auch auf die Sexualität, die als Gefahr für den Zusammenhalt und die Produktivität des Männerbundes wahrgenommen wird. Durch die weibliche Sexualität nämlich würden die männerbündischen Ideale aufgeweicht, die emotionale Bindung von der Gemeinschaft und ihrem höchsten Zweck abgezogen und Energien, die sich in Leistung umsetzen ließen, verschwendet. Die vermeintlich rein pragmatischen Begründungen, mit denen Männerbündler den Ausschluss von Frauen rechtfertigen – in gemischtgeschlechtlichen Gemeinschaften drohten „Beziehungsdramen“ oder „Verführung“ – sind lediglich Ausdruck der Angst vor dem Weiblichen.

Da der häusliche Schauplatz der Familie weiblich dominiert sei, dient der Männerbund als lebenslanger Familienersatz in der öffentlichen Sphäre. Er ermöglicht eine gewissermaßen „geschlechtslose“ Reproduktion der Männergemeinschaft ohne Frauen. Und doch stellen Frauen als Gäste auf Kommersen und Festen, als Balldamen und „Freundinnen des Hauses“ mehr dar als das oft zitierte „schmückende Beiwerk“. Sie sind ein notwendiger Teil des männerbündischen Lebens. Erst durch diese Verbindung von Familie und Männerbund wird der Mann zu einem „ganzen Mann“. Die Rolle der Frau ist deshalb keine beliebige, sondern sie ist für den Männerbund unabdingbar. Insofern tragen Frauen allzu oft willentlich zu dessen Funktionieren bei. Männerbündisches Denken ist dabei durchaus widersprüchlich. Einerseits gilt ihm die Familie als Ort der Verweichlichung, deren negativer sozialisatorischer Einfluss durch den Männerbund überwunden werden soll, andererseits aber als „Keimzelle“ der Volksgemeinschaft und Rückzugsort vor der erbarmungslosen kapitalistischen Konkurrenz.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich die Ideologie des Männerbunds in Reaktion auf gesellschaftliche Emanzipationsbestrebungen entwickelte, hat sich der Charakter des Männerbundes kaum verändert. Auch heute noch warnen Redner auf den Verbindungshäusern regelmäßig vor dem Aussterben der Familie und der „Volksgemeinschaft“.

Seit dem Ende des Nationalsozialismus sind Argumentationen zur Verteidigung männerbündischer Organisierungsformen in der Regel weniger stark ideologisiert bzw. wird der Begriff des Männerbundes nicht mehr so hochgehalten wie es zuvor noch der Fall war. Stattdessen wird auf Kritik mit dem Verweis auf Pluralität und Meinungsfreiheit reagiert: Man stehe in einer jahrhundertealten Tradition, es gebe ja auch rein männliche Fußballvereine oder Stammtische, und außerdem sei ja jedem Menschen freigestellt, wie er oder sie leben wolle. Der Männerbund – heute also nur noch eine Frage des Geschmacks? Nein, denn nur weil die Männerbündler keinen Begriff von sich selbst haben, heißt das nicht, dass die spezifischen Merkmale des Männerbunds nicht trotzdem weiter bestehen. Tradition wird als Leerformel herangezogen um Frauen auszuschließen. Damit ist und bleibt der Charakter des Männerbunds antidemokratisch und elitär. Bürgerlichen Medien wie SPIEGEL und Co., die sich lediglich empören, wenn es Verbindungen zwischen Neonazis und Burschenschaften aufzudecken gibt, und den „liberalen“ Bünden eine weiße Weste ausstellen, muss daher vehement widersprochen werden: Nichts ist liberal am Männerbund!

Gegen alle Männerbünde!

Feministische Gesellschaftskritik statt Männerklüngelei!

Den Burschentag in Eisenach zum Desaster machen!

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Already planned your summer vacation? http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/already-planned-your-summer-vacation/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/already-planned-your-summer-vacation/#comments Fri, 27 Jun 2014 13:28:17 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/already-planned-your-summer-vacation/ Am 11. Juli 2014 nach Turin: Gegen Prekarisierung, Verarmung und kapitalistischen Arbeitszwang. Anlässlich der EU-Konferenz zur “Förderung der Jugendbeschäftigung”

11. Juli 2014 Turin: Europaweite Proteste gegen den EU-Kongress zur Förderung der Jugendbeschäftigung

Hochrangige Regierungsvertreter der EU kommen am 11. Juli 2014 in Turin zum dritten Mal zusammen, um über eine sogenannte Jugendgarantie für arbeitslose Jugendliche zu verhandeln. Jugendgarantie bedeutet, dass Jugendliche nach vier Monaten Erwerbslosigkeit durch die Arbeitsbehörden vermittelt werden sollen. Ob in einen Job, eine Ausbildung oder ein Praktikum ist dabei egal.

Diese Jugendgarantie ist die Antwort der herrschenden Politik auf 5,6 Millionen Jugendliche, die in Folge von kapitalistischer Krise und Austeritätspolitik in der EU derzeit erwerbslos sind. Dies ist im Schnitt jede_r Vierte, in Krisenländern wie Griechenland beträgt die Quote fast 60 Prozent. Die Jugendgarantie wird als große soziale Leistung angepriesen und so ließen es sich neben Merkel und Hollande auch Barroso und van Rompuy nicht nehmen, an den letzten Treffen teilzunehmen. Deutschland präsentiert sich dabei mit der niedrigsten Jugenderwerbslosigkeit in der EU als Musterland. Wie wenig es bei den Verhandlungen jedoch um reale soziale Verbesserungen geht, zeigt der Charakter der „Garantie“: Denn wer Job, Ausbildungsplatz oder Praktikum aus welchem Grund auch immer ablehnt, dem werden die Leistungen gekürzt. Die Jugendgarantie führt somit zu nichts anderem als zu einer noch stärkeren Disziplinierung, zu noch mehr Unsicherheit und Bevormundung. Und das, obwohl das Überwachungs- und Sanktionsregime der Arbeitsbehörden gegenüber Jugendlichen ohnehin schon besonderes rigide ist.

Die Erhöhung des Drucks verstärkt die Konkurrenz und führt dazu, dass die Überarbeitung der Einen die Anderen zum Müßiggang zwingt, statt die notwendige Arbeit sinnvoll zu verteilen und die Welt nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Menschen einzurichten.

Gegen Prekarisierung, Verarmung und kapitalistischen Arbeitszwang!

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Antifa-Kampagne “Nationalismus ist keine Alternative!” http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/antifa-kampagne-nationalismus-ist-keine-alternative-2/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/antifa-kampagne-nationalismus-ist-keine-alternative-2/#comments Fri, 27 Jun 2014 13:03:02 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/06/27/antifa-kampagne-nationalismus-ist-keine-alternative-2/
In ganz Europa bringen sich derzeit rechte Parteien gegen die Europäische Union und den Euro in Stellung. Sie greifen den allgegenwärtigen Unmut über die europäische Krisenpolitik auf und propagieren die Rückbesinnung auf’s Nationale. Nationalismus als Alternative zur autoritären EU-Politik? Vielen Dank, dieses Angebot weisen wir entschieden zurück. Stattdessen rufen wir alle, die wie wir keine Lust auf nationalistische Ausgrenzung und autoritäre Politik von oben haben, auf, vor der Europawahl am 25. Mai ein Zeichen gegen Nationalismus, Austeritätspolitik und Wettbewerbsdiktat zu setzen und gegen den rechtspopulistischen Vormarsch aktiv zu werden. Für eine solidarische Perspektive jenseits nationaler Grenzen und kapitalistischer Verwertungszwänge.

Überall dasselbe

In Frankreich ist es der FN, in Österreich die FPÖ, in Großbritannien die UKIP und in Deutschland die AfD. So unterschiedlich die rechten Parteien in Europa auf den ersten Blick sind, ihnen allen ist eins gemein: Sie grenzen sich ab von der Politik der Europäischen Union und der europäischen Regierungen, denen sie vorwerfen, sich nicht um die „Interessen des Volkes“ zu kümmern. Als Alternative versprechen sie die Bevorzugung des eigenen nationalen Kollektivs gegenüber dem Rest der Menschheit. Das kommt bei vielen gut an. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich dieser Vorwurf jedoch als populistischer Schachzug. Denn für die deutsche Bundesregierung ist der nationale Standorterfolg genauso Maßstab aller Politik, wie für die französische, die österreichische oder die britische. Einen Unterschied gibt es nur: Die aktuelle Bundesregierung ist bereit, im Austausch für Freihandel, Privatisierung, Deregulierung von Arbeitsmärkten und Dumpingwettbewerb in gewissem Maße auch Grundrechte, wie z.B. (innerhalb der EU) die Reise- und Niederlassungsfreiheit, zu gewähren und bestimmte Entscheidungskompetenzen an die EU abzutreten. Währenddessen setzt die AfD, genau wie andere europäische Rechte, auf die kompromisslose Abschottung des Nationalstaats. Sie will die Zeit zurückdrehen und würde wohl am liebsten die Reichsmark wieder einführen. Denn dem Rechtspopulismus geht es weniger um die pragmatische Verwaltung des Bestehenden als um nationale Identität und die Simulation politischer Handlungsfähigkeit. Insofern ist er keine wirkliche Alternative, sondern eher ein politisches Symptom der Widersprüche des europäischen Kapitalismus.

Weltmarktkonkurrenz vs. nationale Abschottung?

Die Wahl zwischen nationaler Abschottung und Weltmarktkonkurrenz ist die zwischen Pest und Cholera. Was die europäischen Rechten als Alternative verkaufen wollen, ist keine. Denn dem europäischen Krisenregime, der Sparpolitik, und dem Standortwettbewerb setzen sie die Rückkehr zum Nationalstaat samt patriarchaler Kleinfamilie und autoritärer Elitenherrschaft entgegen. Auf die sich verschlechternde Lebensrealität vieler Menschen in Europa antworten die aggressiv gewordenen Kleinbürger mit den Gartenzwergträumen nationaler Enge. Diese richten sich letztendlich immer gegen alle und alles, was den „nationalen Interessen“ angeblich nicht entspricht: „Pleite-Griechen“, „Armutseinwanderer“, „Lampedusa-Flüchtlinge“, „die homosexuellen-Lobby“, usw. usf. . Doch wenn wir vorschlagen, die AfD vor der Europawahl aufs antifaschistische Korn zu nehmen, dann nicht deshalb, weil es sich bei ihr einfach um Oldschool-Nazis handelt. Im Gegenteil: Gerade, weil sie sich nicht so dumm verhält wie die NPD, schafft es die AfD den Unmut über die herrschende EU-Politik einzufangen und in nationalistische Bahnen zu lenken. Indem sie soziale Konflikte auf vermeintlich seriöse Art in nationale umdeutet, verbreitert sie die gesellschaftliche Basis für autoritäre Vorstellungen und reaktionäre politische „Lösungen“. Damit erhöht sie den Druck auf die etablierten Parteien das nationale Standortinteresse noch aggressiver durchzusetzen. Diese haben in der Vergangenheit bereits zur Genüge bewiesen, dass sie gerne bereit sind rechte Ressentiments und autoritäre Politik in ihre Reihen zu integrieren. Man denke etwa an den SPDler Thilo Sarrazin, den Umgang der Hamburger SPD mit den Lampedusa-Flüchtlingen oder die Hetze der CDU/CSU gegen „faule Südeuropäer“, „Armutseinwanderer“ und „Doppelpass“. Was es deshalb braucht ist eine antifaschistische Intervention, die nationalistische Angebote rechter Parteien in Europa delegitimiert und gleichzeitig Perspektiven jenseits von Sparprogrammen, sozialen Kürzungen, Lohndumping und Wettbewerbspolitik aufzeigt.

Unsere Alternative: Grenzübergreifende Solidarität

Es gibt durchaus Alternativen zur schlechten Realität des europäischen Kapitalismus und der autoritären EU-Politik, die nicht auf Ausgrenzung, Nationalismus, Rassismus und Sexismus bauen. In den letzten Jahren haben eine Reihe von sozialen Bewegungen in Europa und darüber hinaus deutlich gemacht, dass sie vom Leben mehr erwarten als Arbeit unter schlechten Bedingungen, bei schlechter Bezahlung und mangelnder sozialer Absicherung. Auch haben diese Bewegungen immer wieder gezeigt, dass sie unter „Demokratie“ mehr verstehen, als einmal in vier Jahren die Stimme abzugeben – sie wollen ihr Schicksal selbst bestimmen. In Deutschland gab es mit M31 und Blockupy Versuche, eine grenzübergreifende Vernetzung der emanzipatorischen Kräfte dieser Bewegungen zu schaffen. Daran möchten nun die internationalen Aktionstage im Mai anknüpfen. Für die antifaschistische Linke ist das eine doppelte Chance: Hier können wir praktisch deutlich machen, dass wir weder die neoliberale Ausbeutungspolitik von Merkel und Co. noch die nationalistische Ausgrenzungspolitik der europäischen Rechten akzeptieren werden.

Time to act

Unser Vorschlag an die antifaschistische Linke ist daher denkbar einfach: Nutzen wir die internationalen Blockupy-Aktionstage im Mai und den Europawahlkampf um rechte Akteure wie die AfD zu markieren, ihre nationalistischen Angebote zu delegitimieren und solidarische Perspektiven aufzuzeigen. Machen wir den Zusammenhang zwischen der autoritären Krisenverwaltung der Mitte und dem Rechtsruck in Europa deutlich. Erteilen wir den unterschiedlichen Varianten nationaler Interessenspolitik und rassistischer Hetze eine nachhaltige Absage. Zeigen wir, dass eine andere Welt als bessere möglich ist: ein gutes Leben für alle, jenseits staatlicher Grenzen, nationalistischer Spaltungen und den Verwertungszwängen des Kapitals.

Konkret heißt das für das Erste:

  • Am 16. Mai besuchen wir im Rahmen des dezentralen Aktionstages unsere örtlichen Rechtspopulisten.
  • Am 17. Mai setzen wir ein antifaschistisches & antirassistisches Zeichen bei Blockupy-Deportation Airport II am Abschiebeflughafen in Düsseldorf, sowie bei den Demos in Hamburg, Berlin und Stuttgart.
  • Im Europawahlkampf stören und begleiten wir die Veranstaltungen der AfD und anderer Rechter kritisch.

Kampagnen-Blog: antifa.blockupy.org

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UNSERE SOLIDARITÄT, DIE KÖNNT IHR HABEN! FREIHEIT FÜR JOSEF! http://gegenstrom.blogsport.de/2014/03/11/unsere-solidaritaet-die-koennt-ihr-haben-freiheit-fuer-josef/ http://gegenstrom.blogsport.de/2014/03/11/unsere-solidaritaet-die-koennt-ihr-haben-freiheit-fuer-josef/#comments Tue, 11 Mar 2014 10:53:46 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2014/03/11/unsere-solidaritaet-die-koennt-ihr-haben-freiheit-fuer-josef/ Seit dem 24. Januar sitzt ein Genosse im Knast. Josef wurde festgenommen, weil er gegen den sogenannten Akademiker-Ball in Wien protestiert hat. Josef sitzt immer noch, weil Polizei und Justiz an ihm ein Exempel statuieren wollen. Sie suchen Schuldige, die den Frieden ihrer Demokratie gebrochen haben, weil sie einem Treffen von Rechtskonservativen, Burschenschaften und Nazis nicht tatenlos zuschauen und sich in ihrem Widerstand nicht an jene Regeln halten, die ein solches Treffen erlauben.

Der Ball in der traditionsreichen Wiener Hofburg ist ein großes Schaulaufen rechter Eliten aus Österreich und ganz Europa. Hier verbrüdern sich Rassismus und Sexismus, hier vernetzen sich Chauvinismus und Nationalismus, hier bittet der Rechtspopulismus den Antisemitismus zum Tanz und in Wichs und Ballkleid walzert sich das ganz besonders Reaktionäre durch den Abend.

Scheinbar ganz Österreich empfand das lange Jahre als völlig normal und nicht weiter störend. Aber nun stören seit einigen Jahren autonome Antifaschist*innen den österreichischen Burgfrieden. Dank ihrer Öffentlichkeitsarbeit, ihrer Demonstrationen und Blockadeaktionen gegen den Ball stören sich nun doch immer mehr Menschen an dem rechten Treiben in der Hofburg, immer mehr gehen dagegen auf die Straße und die internationalen Medien berichten inzwischen auch über das, was dort vor sich geht. Die Proteste wurden größer und breiter, die Gäste des Balls immer weniger. Auch deshalb heißt es nun nicht mehr WKR-Ball (Ball des Wiener Korporationsrings) und wird von Burschenschaften ausgerichet, nun ist es der Akademiker-Ball der FPÖ.

In diesem Jahr versuchten Polizei und Politik erneut mit Hetzkampagnen, Verboten und massiver Polizeigewalt die Proteste in den Griff zu kriegen, trotzdem sind über 8.000 Menschen gegen den Ball auf die Straße gegangen und haben zu Tausenden versucht den Ball zu blockieren. Wohl angesichts der erneuten staatlichen Verharmlosungs- und demokratischen Legitimierungsversuche des Balls und wohl nicht zuletzt aufgrund der Eskalation durch die Polizei bereits im Vorfeld und am Tag selbst, haben einige Menschen ein paar Schaufenster zerstört und sind auch aktiv gegen die Polizei vorgegangen. Damit haben sie bewusst die demokratisch integrierbaren Grenzen von Protest überschritten und ihre grundsätzliche Ablehnung staatlicher Autorität unterstrichen.

Und genau dafür soll Josef jetzt erst einmal verantwortlich gemacht werden. Weitere 150 Ermittlungsverfahren sind eingeleitet worden. U.a. wird Josef “Landfriedensbruch” und “Rädelsführerschaft” vorgeworfen. Die wahnwitzigen Begründungen zur Verlängerung seiner Untersuchungshaft verdeutlichen den Beißreflex der Behörden. Zunächst war das “Verdunkelungsgefahr”, weil Josef die Aussage verweigert. Inzwischen heißt es “Tatbegehungsgefahr”, also Josef könnte die ihm vorgeworfenen Straftaten bei Haftentlassung erneut begehen.

Mit unserer Demonstration zum österreichischen Konsulat in Hannover wollen wir unsere Solidarität mit Josef auf die Straße tragen und ihm unsere solidarischen Grüße senden. Wir lassen Josef nicht allein! Gemeinsam wollen wir die Repression zurückdrängen und verdeutlichen das Antifaschismus nicht kriminell, sondern notwendig ist.

Fast Forward Hannover & redical M Göttingen,
Februar 2014

Mittwoch, 12. März 2014, 18 Uhr | Lister Platz, Hannover

Demonstration zum österreichischen Konsulat

Treffpunkt zur gemeinsamen Anreise aus Göttingen: 15.45 Bahnhof

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http://gegenstrom.blogsport.de/2014/03/11/unsere-solidaritaet-die-koennt-ihr-haben-freiheit-fuer-josef/feed/
WKR? WTF! Das Treffen der europäischen Rechten unmöglich machen. Kein Burgfrieden dem Normalzustand http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/24/wkr-wtf-das-treffen-der-europaeischen-rechten-unmoeglich-machen-kein-burgfrieden-dem-normalzustand-2/ http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/24/wkr-wtf-das-treffen-der-europaeischen-rechten-unmoeglich-machen-kein-burgfrieden-dem-normalzustand-2/#comments Tue, 24 Dec 2013 10:56:44 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/24/wkr-wtf-das-treffen-der-europaeischen-rechten-unmoeglich-machen-kein-burgfrieden-dem-normalzustand-2/ Wir sind gekommen, um zu stören

Wenn am 24. Januar 2014 mit dem Wiener Korporations-, neuerdings Akademikerball, der gefühlte Geburtstag Kurt Waldheims und Jörg Haiders begangen wird, ist das nicht die harmlose Bergdeutschen-Variante des Kölner Karnevals, sondern das Schaulaufen der rechten Eliten Österreichs und Europas. Hier treffen Chauvinist*innen und Nationalist*innen aller Couleur zusammen: Korporationsstudenten und Politikerinnen, Professorinnen und Manager, Anwälte und Unternehmerinnen. Angemeldet von der Freiheitlichen Partei Östereichs (FPÖ) unterstreicht das fröhliche Gesellschaftsspiel in den imperialen Kulissen der Hofburg den Anspruch auf Führung und Gefolgschaft – zu Walzer und Polonaise, im Wichs und in Rüschen. Die von der Mensur entstellten Gesichter lassen erahnen, was der Restgesellschaft blüht, wenn die feschen Herren und Damen an Einfluss gewinnen. Nazis und Champagner? Gründe en masse, nach Wien zu fahren und die Party zu crashen!

…umsGanze Aufruf: Online | PDF

  • Veranstaltung:Who cares?
    Feministisch …ums Ganze! kämpfen?! | Freitag 10. Januar 2014 | 19 Uhr | Groner-Tor-Straße 32 | Ver.di-Haus Göttingen | mehr Infos
  • Party: WTF! Ball Göttingen | Samstag 11. Januar 2014 | ab 22:30 Uhr | T-Keller Göttingen | mehr Infos
  • Demonstration: Freitag, 24. Januar 2014 | 17 Uhr | Landstraße | Wien Mitte
  • Antinationaler Workshoptag: Samstag, 25. Januar 2014 | 12 Uhr | Wien (Genauer Ort TBA)



Die falsche Antwort auf die falschen Verhältnisse

Was sich auf dem WKR-Ball, organisiert von den Burschenschaften des Wiener Korporationsrings, zusammenrottet ist die falsche Antwort auf die falschen Verhältnisse. Die falschen Verhältnisse, das sind die kapitalistischen. In der gegenwärtigen Krise bedeutet das: schlechtere Lebensbedingungen und alltägliche Not für viele, nicht nur in Griechenland. Die falsche Antwort lautet: Nationale Einpeitschung und höhere Zäune, verschärfter Wettbewerb und verschlechterte Arbeitsbedingungen, unverblümter Rassismus und immer nur noch mehr Gewalt, auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Doch die selbsternannten rechten Eliten, die den Ball besuchen, sind mit ihren Ideen nicht allein. Applaus erhalten sie von Menschen, die sich angesichts der Krise statt für Solidarität für die Politik der harten Hand entscheiden. In Zeiten von Angst und Verunsicherung sehnen sie sich nach Führung und der scheinbaren Übersichtlichkeit der Nationalstaaten, bescheidene Nestwärme inklusive. Angesichts des weltweiten Konkurrenzdrucks finden sie sich als Arbeitnehmer*innen bereitwillig mit den Arbeitgeber*innen ihres Landes in der »objektiven Schicksalsgemeinschaft« ein, die im Kampf mit anderen Nationen zu bestehen hat oder untergeht. Für den Standort und ein kleines Stück vom Kuchen schnallen sie den Gürtel enger und bestehen auf Leistungswahn und nationaler Zugehörigkeit. Als besonders fanatische Wohlstandschauvinist*innen erweisen sich dabei oft die bereits Abgehängten, die nur auf die gnädige Eingliederung in die Gemeinschaft hoffen können.

Nationalistisch sind nicht nur die Stammtischparolen, der Taumel beim Länderspiel, die Heimatliebe der Burschenschaftler oder der Fackelmarsch der Wutbürger*innen vorm örtlichen Asylbewerberheim. Sie sind vielmehr die augenfälligen und besonders widerwärtigen Zutaten eines umfassenden »nationalen Projekts«. Je nach politischer Großwetterlage hat dieses unterschiedliche Konjunkturen und Regierungen, mal christlich-konservativ, mal sozialdemokratisch. Ausgeliefert bleibt es jedoch stets auf Gedeih und Verderb der unverständlichen und chaotischen Ökonomie, deren Folgen es daher auf politischer Ebene einzuhegen und zu managen gilt. In der gegenwärtigen Krise erscheint vielen dabei offener Rassismus und Chauvismus als eine erfolgversprechende Option, um als nationale Leistungs- und Leidensgemeinschaft den Stürmen des Weltmarktes zu trotzen. Entlang von nationalstaatlichen und ethnisierten Grenzen wird entschieden, wer mitspielen darf und wie. Nach Außen legitimiert sich so eine mörderische Abschottung und nach Innen die gnadenlose Hierarchisierung und Disziplinierung. Falsch ist diese Antwort, weil sie die Krise des Kapitalismus nicht lösen kann – und dabei über Leichen geht.

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Das irrige Versprechen einer nationalen Lösung der globalen Krise findet mehr und mehr Anhänger*innen: Der sogenannte Rechtspopulismus rückt derzeit politisch vom Rand in die Mitte. In Frankreich sehen Umfragen den extrem rechten Front National als stärkste Kraft. In Österreich hat jüngst ein Drittel der Wähler*innen Slogans wie »Liebe deine Nächsten – für mich sind das unsere Österreicher« (FPÖ) ihre Stimme gegeben. Und selbst in Deutschland, wo die CDU bislang noch immer den rechten Rand zu integrieren wusste, konnte sich die »Alternative für Deutschland« erfolgreich positionieren, wenn sie auch den Sprung in den Bundestag verfehlt hat. Für die 2014 im Mai anstehenden Europawahlen mit ihren traditionell geringen Wahlbeteiligungen steht ein rechter Erdrutschsieg durchaus zu befürchten. Und auf dem WKR-Ball im Januar treffen sich schon mal alle: In der Vergangenheit forderten sich hier Marine Le Pen (Front National aus Frankreich), Filip Dewinter (Vlaams Belang aus Belgien) oder Markus Beisicht (ProDeutschland) zum Tanz auf. Der Spitzenkandidat der FPÖ, Heinz-Christian Strache, ist sowieso vor Ort, denn die Wiener Landesgruppe der FPÖ meldet den Ball erneut an. Scheinbar paradox bereitet sich die nationale Erhebung so auf internationalem Parkett vor. Zwar ist der österreichische Patriotismus des Parteiobmanns Strache mit dem deutsch-völkischen Ansinnen vieler Burschenschaften nur bedingt vereinbar, und auch ansonsten dürften sich die politischen Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Nationalist*innen in Grenzen halten. Doch der WKR-Ball führt ein tragfähiges Arrangement vor, in dem neoliberale Standortpatrioten, völkische Freaks und Konservative aus ganz Europa sich ein Stelldichein geben. Wenn sie sich auch den Rest des Jahres im Namen der eigenen Nation untereinander befehden, so sind sich doch alle Teilnehmer*innen grundsätzlich darüber einig, dass es einer Hackordnung unter den Menschen und den Völkern bedarf, mit den Kulturvölkern Kontinentaleuropas an deren Spitze. Geht es am Ballabend vorgeblich gar nicht um Politik, ist das für die Teilnehmer*innen nur konsequent. Die feierliche Versicherung »abendländischer« Identität und Leitkultur ist für sie nichts Politisches, sondern etwas Vorpolitisches: Volk, Nation und Kultur sind ihnen keine geschichtlich entstandenen und von Menschen gemachten Gebilde, sondern von Natur oder Gott gegeben. Das Abfeiern der gemeinsamen abendländischen Identität hindert sie selbstredend nicht daran, durchaus handfeste politische Verabredungen anzubahnen, darunter die Bildung einer extrem rechten Fraktion im Europaparlament 2014. Der Bezug auf eine gemeinsame abendländische Kultur ist auch der Grund, warum der Übergang vom rechtskonservativem Abendland-und-Anstand-Gefasel zum Blut-und-Boden-Geraune an diesem Abend fließend ist, mit den studentischen Verbindungen und Burschenschaften als dessen Mittler. Der Ball führt dabei vor, wie rechte Parteien ihr Personal aus dem neonazistischen Milieu rekrutieren und es damit umgekehrt hoffähig machen. Dass Heinz-Christian Strache, der Nachfolger Haiders, selbst enge Kontakte in dieses Lager pflegte, ist da eine Information, die bei den Gästen der Hofburg wohl nur auf freundliche Indifferenz stoßen dürfte.

Die Opfer des kapitalistischen Normalvollzugs

Wie immer ist das Problem hausgemacht. Die neue Stärke der extremen Rechten in Europa ist auch ein Ergebnis der derzeitigen Krise und illustriert zugleich das Elend aller bürgerlichen Politik. Längst hat die Krise auch die Lebenswelten Österreichs und Deutschlands erreicht und das neoliberale Glücksversprechen auf Teilhabe durch mehr Leistung und Wettbewerb demoliert. Erneut setzten daher in den letzten Jahren große Teile der (nicht nur bürgerlichen) Linken auf Sozialstaatsnostalgie und Regulationsillusionen und erhofften deren Durchsetzung auf europäischer Ebene. Genau das Gegenteil ist eingetreten: Indem die Regierungen der reichen EU-Länder, darunter Deutschland und Österreich, viel Geld in die Hand nahmen, konnten sie die eigenen Wirtschaften vorübergehend vor dem Zusammenbruch bewahren. Zugleich setzten sie im Süden Europas einen brutalen Sparkurs durch, den sie zusammen mit den jeweiligen nationalen Oberschichten organisieren. Ein geeintes Europa bleibt jedoch für die exportstarken Nationen wie Deutschland und Österreich die Voraussetzung des eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens. Da die Wettbewerbslogik des Kapitalismus den einzelnen Ländern nur wenig Spielraum lässt, sind die Politiker*innen aller Staaten und politischen Lager im Kampf um Anhängerschaft gezwungen, mittels nationaler Stimmungsmache und Ressentiments die eigene staatliche Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Die Folge ist ein widersprüchlicher Mix aus Ermächtigungsphantasien und Sachzwangargumenten, aus Nationalismen und Europatriotismus, der seit längerem die öffentlichen Debatten in Europa beherrscht. Es ist dieses Hintergrundrauschen des Nationalen, vor dem der populistische Angriff von Rechts auf über ein Fünfel aller Wähler*innenstimmen bei der Europawahl im Mai 2014 hoffen darf. Die von den rechten Parteien propagierte Rückkehr zum früheren Zustand der europäischen Staaten mit ihren einstigen nationalen Währungen, einem Europa der Restauration, ist für viele Wähler*innen zu einer erwägenswerten politischen Option geworden, auch wenn sie die Ohnmacht angesichts eines unbeherrschbaren globalen Kapitalismus nicht wird aufheben können. Dass sich die Bewohner*innen der europäischen Nationalstaaten in ihrer Klassenzugehörigkeit begegnen und so vielleicht ein gemeinsames, Grenzen überschreitendes, gar antikapitalistisches Interesse entdecken, wird allerdings unwahrscheinlicher, umso lauter die nationalen Töne werden.

Während die meisten, vor allem hiesigen Wähler*innen, im Wesentlichen eine ideelle Befriedigung aus dem »deutschsprechenden Europa« ziehen dürften, profitieren vorrangig Parteien wie die FPÖ, die Alternative für Deutschland oder der Front National von der Verunsicherung. Das Geschäft mit der Angst läuft blendend, und so treiben sie das Projekt einer hierarchischen und entsolidarisierten Gesellschaft voran, innerhalb wie außerhalb der Parlamente. Indem sie den Mittelschichtsspießer zur Essenz von Volk und Nation verklären, gleichzeitig aber den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, bringen sie sich erfolgreich als aggressive Verteidiger der weiß-europäischen Mehrheitsgesellschaft in Stellung, als authentische Bewahrer von Nation, Familie und westlicher Leitkultur. Da sie die Krise des Kapitalismus nicht lösen können, verschieben sie das Problem auf den Nationen- und Kulturkampf. Nicht zufällig machen sie überall Feinde der männlich »abendländischen Lebensweise« aus, von der »Emanze« bis zum »Islam«, die angeblich die Leistungskraft der westlichen Gesellschaften untergraben. Ihr Programm ist das einer autoritär organisierten, kulturell zwangshomogenisierten Gesellschaft. Mehr noch, in den abgehalfterten Regimen von einst entdecken sie politische Gestaltungsvorschläge für das 21. Jahrhundert. Es sind diese sehr gegenwärtigen Konjunkturen reaktionärer Politikvorstellungen, die die Teilnehmer*innen auf dem WKR-Ball in den Kostümen von vorgestern ein Glanz-und-Gloria-Spektakel aufführen lässt. Die Werte einer längst untergegangenen und daher umso heroischer schillernden Epoche – Härte, Ehre, Stehvermögen – sind ihnen alles, das gemeinsame gute Leben jedoch nichts. So zerschlagen sich die Korporierten untereinander mit den Gesichtern zugleich die Individualität. Und da die christlichen Werte, die sie im Munde führen, spätestens im Wienerwald enden, gerät ihnen noch jeder Tote im Mittelmeer zur Bestätigung der eigenen Durchsetzungskraft und Herrlichkeit.

Männlichkeit as usual

Die selbsternannten rechten Eliten, die sich auf dem WKR-Ball abfeiern, haben kein Problem damit, dass der Kapitalismus für den überwiegenden Teil der Menschen die Hölle auf Erden ist. Im Gegenteil: Sie sind die erbarmungslosen Kolleginnen und Vorgesetzten, die neoliberalen Einpeitscher und knallharten Rationalisiererinnen. Doch auch Herrenmenschen wollen ab und an einmal als ganze Menschen anerkannt werden. Dazu halten sich die »Feschisten« ans Bewährte: die bürgerliche Kleinfamilie. Liebe, Tränen, Wut und was da noch bei den Herren an Sentiments ist, verbleibt im abgezirkelten Kreis der Liebsten. Sie verschanzen sich in der gesellschaftsabgewandten Gemeinschaftlichkeit romantischer Zweierbeziehungen, wo sie Erholung vom kapitalistischen Rattenrennen finden. Was unter den Bedingungen beständig zunehmenden Leistungs- und Optimierungsdrucks oftmals der letzte noch lebenswerte Zufluchtsort ist, bietet ihnen vor allem die Möglichkeit, den im täglichen Kampf lädierten Körperpanzer wiederherzustellen, um dann im Alltag – business as usal – nur noch härter zuzulangen. Diese jeden Tag aufs Neue gelebte Teilung der Welt in Öffentlich und Privat folgt dabei, wen wunderts, weiter den traditionellen Geschlechterrollen. Sie als naturgegeben darzustellen wird – ironisch genug – selbst zum politischen Projekt der extrem Rechten. Kein Wunder, dass die FPÖ offen den Schulterschluss mit Vaterrechtlern und »Maskulinisten« sucht. Für die WKR-Ball-Besucher sind Frauen daher trotz Galanterie und Türaufhalten keine eigenständigen Subjekte, sondern zuallererst Unterstützungsanhängsel und Verfügungsmasse der Männer. Wenn es nicht gerade darum geht, jene zusammen mit anderen Männern wahlweise gegen »den Islam« oder »den Feminismus« zu verteidigen, dann darum, ihnen den gesellschaftlichen, sprich: den häuslichen Platz zuzuweisen und sie aus Representationsgründen ab und an im Ballkleid und zu Wiener Walzer durch einen Festsaal zu schieben. Dass der WKR-Ball dieses überkommene Verhältnis von Männern und Frauen als glamouröses und nachahmenswertes Modell ausstellt, macht ihn auch auf dieser Ebene zu einer ideologischen Angelegenheit. Auch deswegen, weil gerade die Zurschaustellung des Heteroidylls erahnen lässt, dass die dynamisierten Geschlechterordnungen im neoliberalen Kapitalismus längst das konservative und rechte Milieu erfasst haben. Wenn auch die gewaltförmige Durchsetzung der rechten Familienideologie systematisch und ganz real zu Lasten der großen Mehrheit der Frauen geht, an der Verklärung der Geschlechterverhältnisse sind sie im rechten Milieu meist ganz gleichberechtigt beteiligt. Das Abfeiern von traditionellen Rollenbildern und die Hetze gegen alles Abweichende ist dort mitnichten exklusiv »männlichen Charakters«, wie nicht nur die dem Wiener Korporationsring nahestehende Wiener akademische Mädelschaft »Freya« zeigt. Auf Mensur immerhin wird verzichtet, um die hübschen Gesichter zu schonen, doch hinter der unversehrten Fassade herrscht die gleiche trübe Grausamkeit.

Die unheimliche Rückkehr des kleinen Glücks

Die so einfallslos wie leidenschaftlich betriebene Einrichtung des eigenen Lebens in der Kleinfamilie ist kein Privileg einer obskuren und rückwärtsgewandten Minderheit. Vielmehr scheint in der gegenwärtigen Krise der geschützte Innenraum der Paarbeziehung vielen zunehmend als einzig möglicher Verwirklichungsraum individuellen Glücks. An die Stelle sozialliberaler Autonomievorstellungen und neoliberaler Selbstverwirklichungsphantasien tritt seit ein paar Jahren, kaum sind deren materiellen Grundlagen in der Krise auch bei den Besserverdienenden in Westeuropa bedroht, erneut der geschützte familiäre Innenraum – auch wenn der von außen eher an einen Panic Room erinnert. Die Erwerbsarbeit von Frauen hat sich in den letzten zwanzig Jahren zwar ausgeweitet. Ökonomische Gleichheit und soziale Anerkennung hat sich für den überwiegenden Teil der Frauen gleichwohl nicht eingestellt. Während die unmittelbaren staatlichen Krisenbewältigungsmaßnahmen von der Bankenentschuldung bis zur Abwrackprämie vor allem männlich-dominierte Wirtschaftsbereiche stabilisiert haben, ist Vollzeitbeschäftigung von Frauen rückläufig. Ein beträchtlicher Teil der weiblicher Lohnarbeit findet in deregulierten und prekären Beschäftigungsverhältnissen statt. Der Abbau und der Ausverkauf sozialstaatlicher Einrichtungen verschärft die doppelte Ausbeutung der Frau durch geringer bezahlte Lohn- und unbezahlte Sorgearbeit. Aus der noch vor Kurzem herbeigeschriebenen »Krise der (Ernährer-)Männlichkeit« ist andererseits der so bärtige wie zupackende Hipstermann – flankiert von »Männerrechlern« auf der rechten und dem »Neuen Mann« auf der linken Seite – ziemlich unversehrt hervorgegangen. So kann das alte gesellschaftliche Leitbild zum Neuen avancieren.

Bürgerlichkeit als Privileg

Bei der Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung geht es immer auch um die Sicherung von verschränkten Geschlechts- und Klassenprivilegien. Ihnen gilt die familiäre Mobilmachung. Denn auch die bürgerliche Kleinfamilie hat ihren Preis, will sagen, man muss sie sich erstmal leisten können, wenn beide arbeiten wollen bzw. immer häufiger müssen. Meist geschieht das auf Kosten anderer, etwa den Millionen von weiblichen Putz- und Pflegekräften aus Osteuropa und Asien, deren Elend ebensowenig wie die eigenen Privilegien in der Selbsterzählung der Konservativen einen Platz hat. Das Bekenntnis zur Bürgerlichkeit gerät so vor allem zur Rechtfertigung des jetzigen Zustands, an dem auch der Staat ein Interesse hat – anstatt etwa die private Reproduktionsarbeit zusammen mit der Gesellschaftlichen radikal umzuverteilen. Verwunderlich ist all das in Zeiten des permanenten Geredes über die Krise nicht, auch nicht angesichts der materiellen Vorzüge, die eine weiße Mittelschichtsfamilienexistenz so mit sich bringt. Frappierend ist aber die breite und selbstverständliche Akzeptanz ihrer ideologischen Rechtfertigung. Selbst wenn sich die Familienidyllen der alten wie der neuen Bürgerlichkeit mitunter schnell in einen patriarchalen Albtraum verwandeln – nicht nur im Berliner Prenzlauer Berg steigen die Scheidungszahlen und sind die Frauenhäuser voll –, kann das der allgegenwärtigen Sehnsucht nach Privatheit und family value, die von der extremen Rechten bis zu den Alternativos alle eint, offenbar nichts anhaben. Begleitet vom Trommelfeuer der Kulturindustrie wird das Leitbild des Neobiedermeier erfolgreich in Lebenswelt und Alltagsverstand verankert und greift längst auch auf abweichende Lebensweisen und Beziehungsmodelle über. Es kittet so die Brüche und Widersprüche der realen Existenzbedingungen (nicht nur) in krisenhaften Zeiten. Dass Faschisten meist nicht die Grünen wählen, und die Ökos selten die FPÖ, ist bei der sie einenden Logik von harmonischem Innen und bedrohlichem Außen keine Nebensache, zeigt aber deutlich, wie weit sich der gesellschaftliche Konsens im politischen wie im privaten Bereich zugunsten von konservativ-repressiven und autoritär-rechtspopulistischen Ordnungsvorstellungen verschoben hat. – Höchste Zeit, eben diesen eine deutliche Absage zu erteilen.

Nichts reaktionäres fällt, wenn es nicht gestoßen wird

Am Freitag, den 24. Januar 2014 feiern und verbrüdern sich in der Wiener Hofburg unter dem selbstverliehenen Ehrentitel »gesellschaftlicher Leistungsträger« diejenigen, deren soziales Prestige und ökonomischer Reichtum auf Ausgrenzung und Unterdrückung, auf Chauvinismus, Rassismus und Sexismus gründet. Sie sehen sich als Elite und rechte Avantgarde Österreichs und Europas. Ehrverletzungen tragen sie untereinander noch immer am Liebsten mit der Waffe aus und sähen gern die ganze Gesellschaft unter ihrer Knute. Als Lösung der gegenwärtigen Krise haben sie vor allem parat: Zusammenrücken, den engen Gürtel, die harte Hand und die weitere Spaltung der Gesellschaft in oben und unten. Der WKR-Ball ist daher der perfekte Anlass, den reaktionären Krisenlösungen ein Beinchen zu stellen und den sauberen Herren und Damen wie den feschen Burschen und Madeln den Spaß zu verderben.
Wir sagen: WKR? WTF! Erteilen wir – gemeinsam und über alle Grenzen hinweg – auf den Straßen und Plätzen Wiens, rechten Ideologien und ihren politischen und kulturellen Vertreter*innen eine klare Absage. Der WKR-Ball ist nicht einfach nur Ausdruck einer unappetitlichen Gesinnung und Kultur, sondern Teil einer reaktionären, rechten Offensive angesichts der Krise. Das Gerede der rechten Eliten von Nation, Werten, Abendland, Alternativlosigkeit und Tradition verdeckt, dass es bessere Formen des gesellschaftlichen Lebens gibt. Um die lohnt es sich in der derzeitigen Krise zu kämpfen. Gewinnen und verteidigen kann man sie allerdings nur gegen Nation und Patriachat, Staat und Kapital. Der Kampf gegen die Reaktion ist daher immer auch der Kampf um das gute Leben für alle: Der solidarischen und freien Organisation unseres Zusammenlebens, jenseits von Ausgrenzung durch Klassengrenzen und Rassismus, jenseits von Zurichtung und Disziplinierung durch Geschlechterordnung und Sozialchauvinismus, jenseits der Zumutungen und Verwertungszwänge des Kapitalismus.

Ob Leistung, Abendland, Nation, Volk, Familie oder sonst ein Unsinn – spuckt den neuen und alten Rechten am 24. Januar 2014 ins Glas. Die letzte (und beste!) Party feiern wir. Die einzige Krisenlösung heißt Kommunismus!

Demonstration
Freitag, 24. Januar 2014
17 Uhr, Landstraße, Wien Mitte
Antinationaler Workshoptag
Samstag, 25. Januar 2014
12 Uhr, Wien (Genauer Ort TBA)

Bussen fahren u.a. aus Berlin, Bremen, Frankfurt, Göttingen, Köln und Leipzig.

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Die Flora bleibt rot! http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/17/die-flora-bleibt-rot/ http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/17/die-flora-bleibt-rot/#comments Tue, 17 Dec 2013 19:27:14 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/17/die-flora-bleibt-rot/ Seit 1989 ist das historische Konzerthaus Flora im Hamburger Schanzenviertel besetzt. Seitdem ist die Rote Flora die erste Adresse für alles Wunderbare und Schreckliche der linksradikalen Szene. Jetzt ist die Flora akut räumungsbedroht. Irgendwer ist durch einen krummen Deal an den Eigentumstitel gekommen, und der sozialdemokratische Polizeiminister wird sich sicher nicht zwei mal bitten lassen. Deshalb läuft gerade eine bundesweite Solidaritäts-Kampagne für die Flora welche am 21. Dezember in einer bundesweiten Demonstration in Hamburg münden wird.

Wir unterstützen den Aufruf Antifa supports Rote Flora

Zug-/Busfahrt ab Göttingen:
Der Zug­treff­punkt für die Fahrt zur De­mons­tra­ti­on aus Göt­tin­gen ist vor dem Bahn­hof um 8:45 Uhr, damit dann ge­mein­sam der Me­tro­nom, Ab­fahrt 9:07 Uhr, ge­nom­men wer­den kann.
Wer ein Busti­cket haben möch­te, Ab­fahrt Sams­tag früh vom Kauf­park, kann sich bei der ASJ Göttingen bis zum Sams­tag 14.​12. mel­den, in­klu­si­ve Rück­fahrt. Das De­mo­er­leb­nis wird so 15 Euro kos­ten.

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Beyond Europe – Antiauthoritarian Platform Against Capitalism http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/11/beyond-europe-antiauthoritarian-platform-against-capitalism/ http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/11/beyond-europe-antiauthoritarian-platform-against-capitalism/#comments Wed, 11 Dec 2013 11:34:04 +0000 Administrator Allgemein http://gegenstrom.blogsport.de/2013/12/11/beyond-europe-antiauthoritarian-platform-against-capitalism/ In den vergangenen Jahren der Krise hat …umsGanze! immer wieder punktuell mit Gruppen und Bündnissen in anderen Ländern zusammengearbeitet. Mit einigen von ihnen haben wir jetzt eine Online-Plattform geschaffen um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsam zu diskutieren und Projekte anzustoßen: Beyond Europe.

Der Kapitalismus ist seit jeher transnational, aber Politik und Widerstand sind meist im nationalstaatlichen Rahmen gefangen. Und von Staat und Nation halten wir bekanntlich nicht besonders viel. Wir wollen keinen sozialeren Nationalstaat, sondern gar keinen. Und wir wollen auch keine verbesserte EU, denn die ist eh ein neoliberales Projekt. Beyond Europe ist ein Versuch, diese nationale Borniertheit des Politischen zu überwinden, Widerstand transnational zu denken und gemeinsam handlungsfähig zu werden.

Groups: Plan C (England) | Antiauthoritarian Movement | Αντιεξουσιαστική Κίνηση (Greece) | Drasi | Δράση (Greece) | …ums Ganze! (Germany & Austria)

Base text of Beyond Europe – Antiauthoritarian Platform Against Capitalism (PDF)


[deutsche Übersetzung des Basistextes]

Beyond Europe – Antiauthoritarian Platform Against Capitalism

(Über Europa hinaus – antiautoritäre Plattform gegen Kapitalismus)

Nur der Anfang…

Der Slogan „Beyond Europe“ (Über Europa hinaus) ist ein klares „Nein“ zu den gegenwärtigen Vorstellungen von Europa. Offensichtlich fällt der Traum von einem politisch-ökonomisch geeinten , „gleicheren“ und „gerechteren “ Europa für Alle unter dem Euro in sich zusammen. In diesem Moment entpuppt sich diese „Nation Europa“ als ein Europa der Austerität und der tödlichen Disharmonie.

Der nostalgische Wunsch nach einem Wiedererstarken des Staates zur Erlangung der Kontrolle über den „gesetzlosen“ Markt ist keine dauerhafte Alternative für ein besseres Leben; im besten Falle ist dies nur die andere Seite der Medaille. Über den gesamten Kontinent wird von verschiedenen rechten und reaktionären Kräften eine weitere falsche Alternative propagiert. Sie behaupten, die einzige Lösung sei das „Zurückfallen“ zu einem „Europa der Nationen“, in dem jeder Nationalstaat für sich selbst steht. Wir wollen über diese Alternativen hinaus gehen. Wir streiten für die Alternative jenseits von Staat, Nation und Kapital, hervorgebracht durch antiautoritäre Kämpfe und Selbstorganisierung.

Sechs Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise beginnen wir endlich das notwendige Projekt einer transnationalen Plattform für radikalen Austausch, Diskussion und Aktion.
In „Beyond Europe- antiauthoritarian Plattform against Capitalism“ sehen wir einen kleinen, schon lange überfälligen Anfang. Nur ein Beginn von Austausch und Verständigung zwischen antikapitalistischen Gruppen, der über unsere üblichen Grenzen und Schranken hinausgeht.

Der Ursprung der Idee:

Zunehmend wird offensichtlicher, dass einseitige, national eingegrenzte Kämpfe innerhalb und gegen die Sphären der Produktion und Reproduktion nicht ausreichen, um sich den Austeritätsmaßnahmen der Troika (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfond) zu widersetzen. Immer mehr von denjenigen Akteur*innen, die sich in sozialen Kämpfen engagieren, sehen sich konfrontiert mit den Grenzen nationaler Isolation und dem dringenden Erfordernis nach gemeinsamen Bezugspunkten von Analyse und Kampf ;
der Notwendigkeit eines Hinarbeitens zum Aufbau transnationaler Bewegungen, welche sich innerhalb und über nationale Grenzen hinaus aufeinander beziehen. All das wäre geeignet , neue Dynamiken zu erschaffen und mit traditionellen Auffassungen, wie sich das politische Feld konstituiert, zu brechen- wenigstens auf der ideologischen Ebene.

Im Moment ist der Austauschprozess zwischen kämpfenden Menschen in Europa und darüber hinaus noch unterentwickelt. Als Bewegungen fehlen uns zweifellos noch notwendige Fertigkeiten und Kenntnisse, um wirksame und dauerhafte Organisierung und Widerstand im europäischen Maßstab und darüber hinaus zu koordinieren.

Wir sehen selbst sehr beschränkte Möglichkeiten darin, unsere eigene Geschichte oder aktuelle Erfahrungen zu teilen. Wenn wir wirksame transnationale Bewegungen aufbauen wollen, müssen wir beginnen mit physischen und virtuellen Räumen, in denen wir zusammenfinden und Pläne gemeinsam entwickeln können, zu experimentieren. Glücklicherweise haben viele Gruppen und Personen die Notwendigkeit eines Weiterkommens erkannt: Vom reinen Besuchen und Konsumieren der „Hotspots“ (radikalen) Protests und vom radikalem Journalismus hin zu einer fortgeschrittenen Ebene der Aktivität und Solidarität, dem Aufbau beständiger Verbindungen mit Genoss*innen an diesen Orten. Dies ist ein experimenteller Prozess zur Schaffung von Werkzeugen und Räumen, die eine Überwindung der Grenzen möglich machen. Grenzen, denen wir sowohl jetzt begegnen, als auch durch unsere konsequente Vernetzung.

Unsere ersten Erfahrungen im Prozess transnationaler Organisierung haben wir gesammelt, als wir M31 mit organisierten, den dezentralen europäischen Aktionstag gegen Kapitalismus, welcher am 31. März 2012 stattgefunden hat. Viele der Aktivist*innen mussten in Deutschland feststellen, dass Massendemonstrationen in Griechenland zur Normalität gehören, dies aber noch lange nicht dazu führt, dass Menschen dem Aufruf zu einem antikapitalistischen Aktionstag im europäischen Kontext folgen. Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Ansätze und diese Ansätze können nur von jenen entschieden werden, die diese in die Praxis umsetzen.
Wir haben ebenfalls gelernt, dass es eine Sache ist, ein lokales Event im Rahmen eines einzelnen Aktionstages zu planen und eine vollkommen andere, sich in einen kontinuierlichen Prozess von Diskussionen und langfristiger Abstimmung zwischen radikalen Gruppen zu begeben. Natürlich mussten wir feststellen, dass viele Gruppen nicht gewillt oder in der Lage sind, an diesem langen Austauschprozess teilzunehmen. Beides findet seine Gründe in der Perspektive der Gruppen – wie wichtig eine Gruppe transnationales Handeln einschätzt. Doch ist es ebenfalls eine Frage von Kapazitäten und Möglichkeiten- welche von den jeweiligen Rahmenbedingungen der einzelnen Gruppen beeinflusst werden. Wir hoffen auf ein Wiedersehen mit vielen der Gruppen und Projekten, entweder in „Beyond Europe“ oder an unserer Seite organisiert.

Die letzten Jahre haben uns die gegenwärtigen Schranken unseres Organisierens aufgezeigt. Schranken, die wir überwinden wollen und müssen. In Griechenland sind die Bewegungen zu der Erkenntnis gekommen, dass Kämpfe, die den nationalen Rahmen nicht verlassen, keinen wirklichen Wandel bringen können, denn allein der Sturz der griechischen Regierung würde noch lange nicht zu einem dauerhaften Umbruch innerhalb der komplexen europaweiten Zustände führen.
Aktivist*innen in Deutschland gehen mit dem Gedanken „es gibt überhaupt keine Kämpfe“ in die Falle und viele haben aufgehört, nach ihnen zu suchen. In England sehen sich antiautoritäre ,antikapitalistische Gruppen mit dem Problem konfrontiert, praktische Interventionen und Verbindungen zu weiteren Kreisen der Gesellschaft zu entwickeln.
Allein sind wir in jedem Falle schwach, nur durch lokales Handeln und globales Denken können wir weiterkommen , nur durch koordinierte internationale Aktivitäten kann eine Gesellschaft jenseits von Staat, Nation und Kapital erreicht werden.

Was wir wollen – entdecken, austauschen, diskutieren, handeln

Wir müssen die Prinzipien der Solidarität (neu) besetzen und mit linksradikalen und emanzipatorischen Inhalt füllen. Solidarität muss aus der Isolation von einzelnen Themen-Kampagnen befreit werden; sie muss wiederbelebt und von durch die Beseitigung ihrer nationalistischen und reaktionären Scheuklappen erneuert werden. Wir müssen sie auch aus der Aneignung durch den Kapitalismus zurückgewinnen. Mit Solidarität meinen wir weder „Almosen“ noch „Investition“.

Wir müssen die Verbindungen zwischen kapitalistischen Prozessen innerhalb und über Europa hinaus aufspüren. Es ist notwendig, Informationen über innerstaatliche Institutionen und transnational agierende Unternehmen zu sammeln: Was sind ihre Funktionen und wie sind sie eingebunden in die Organisierung von Kapital- und Machtströmen, welche die aktuelle Verwaltung von Krise und Austerität produziert?
Außerdem müssen wir für jedes verschiedene Land ein Verständnis der lokalen Gegebenheiten. Wie verändert und beeinflusst Austeritätspolitik den Alltag? Wie organisieren sich die Menschen angesichts Lohnkürzungen und steigender Arbeitslosigkeit? Transformieren sich klassische Abwehrkämpfe in Offensive Kämpfe?Und wie vollzieht sich dies?

Durch die Angriffe auf das Soziale verändern sich offensichtlich die sozialen Beziehungen. Während die Reproduktion unserer Leben in die Krise eintritt, verschärfen sich bestehende patriarchale Strukturen als ein zentrales Element des modernen Kapitalismus.
Vor dem Hintergrund erstarkender faschistischer Organisationen, vor allem in Griechenland und Ungarn, und dem wachsenden Rassismus und Nationalismus in den sogenannten westlichen Ländern, müssen wir uns ebenfalls über die reaktionären Krisenlösungen abstimmen.
Als Beispiel: In England zeichnen sich neue Entwicklungen antifaschistischer Initiativen ab, um gegen die rechtspopulistische und faschistische Propaganda zu intervenieren.
Diese Erfahrung wird denjenigen griechischen Genoss*innen bekannt sein, die sich seit dem schlagartigen Wachstum der Goldenen Morgenröte mit neuen Bedrohungen gegen Geflüchtete , Homosexuelle und ihnen selbst konfrontiert sehen. Deutsche Aktivist*innen sammelten ähnliche Erfahrungen während der rassistischen Pogrome in den 90er Jahren.

Wir wollen Erfolge, Fehler und Analysen mit unseren Genoss*innen in unterschiedlichen Ländern teilen, damit diese wirksam handeln können, wenn sie ähnlichen Angelegenheiten begegnen.
Gemeinsam müssen wir die Waffen der Kritik entwickeln, während wir uns zugleich langsam und vorsichtig in die Debatte begeben, in welche Richtung wir uns bewegen. Ist es möglich, unser theoretisches und praktisches Wissen in dem Sinne auszutauschen, dass Genoss*innen andernorts dies nachvollziehen und für sich nutzen können? Wie lassen sich zum Beispiel in dieser Weise die Nation und die Ausprägungen der nationalen Gemeinschaft kritisieren?
Am Wichtigsten ist uns, dass wir kollektiv Themen diskutieren, die uns alle betreffen: was ist beispielsweise der Charakter des modernen Europas? (Wie) wollen wir es überwinden? Was wollen wir als nächstes tun? Und natürlich müssen wir anfangen, weitere Schritte zu gehen und uns langsam in eine Diskussion mit Genoss*inenn auf anderen Kontinenten begeben.

Wir wollen kein rein theoretischer Zirkel bleiben. Unsere Interaktion soll ihren Ausdruck in praktischen Angelegenheiten finden, denn kein relevanter Umbruch wurde jemals allein im Verfassen von Texten vollzogen. Wir können unsere kollektive politische Macht nicht in unseren Schlafzimmern entwickeln. Natürlich können wir unsere gewöhnliche Formel von Solidarität beibehalten: Ereignet sich ein Vorfall an einem Ort, gehen wir andernorts mit Transparenten auf die Straße, zünden unsere gewöhnlichen Bengalos und machen noch ein paar Photos, die wir dann über unsere Kanäle verbreiten. Das ist besser als gar nichts und bleibt eine Weg, sich aufeinander zu beziehen. Doch müssen wir darüber hinaus gehen. Der europäische Generalstreik N14 war ein weiteres Experiment, um die Idee der Solidarität zu erweitern und zu konkretisieren.
Bei grossen internationalen Aktionstagen kann es passieren, dass Probleme auftauchen, doch können diese positive und langanhaltende Auswirkungen haben, wenn sie richtig eingesetzt werden. Andere kontinuierliche Praktiken könnten in der Stärkung selbstorganisierter Projekte und der Bereitstellung praktischer Unterstüzung liegen, einschließlich dem Vertrieb von Waren und Produkten in einem größeren Rahmen (Zum Beispiel: VIO.ME, die selbstverwaltete Fabrik in Griechenland).

Es ist wichtig, dass wir ebenfalls unser Wissen über Projekte der Vergemeinschaftung und Sozialisation in ihren verschiedenen Formen austauschen und die Entwicklung von Prozessen der direkten Demokratie fortführen. Letzendlich gibt es vielfache Wege, praktische Solidarität auszubauen, diese gilt es noch zu entdecken. Also sind es viele Dinge auf vielen unterschiedlichen Ebenen, die wir wollen und die gemeinsam vollbracht werden müssen.

Horizonte

Die Horizonte für diese Plattform sind und werden hoffentlich niemals vollkommen determiniert sein. Wir wollen unsere Vorstellungskraft nicht begrenzen – wir erhoffen uns einen bescheidenen Beginn, tauschen Diskussionspapiere aus und gehen erwartungsvoll weiter zu koordinierten Aktivitäten und darüber hinaus. Alles ist offen. Welchen Weg dieses Projekt nimmt, liegt an uns zu entscheiden, neben den Dynamiken von Bewegungen und Kämpfen, die sich um uns herausbilden!
Dieses Projekt fängt klein an- mit vier Gruppen in drei verschiedenen Ländern. Weder kann es repräsentativ sein, noch schließt es all die großartigen Projekte mit ein, die wir stattfinden sehen. Wir hoffen, dass mehr Gruppen, die mit uns eine ähnliche Perspektive teilen, sich diesem Vernetzungsprozess anschließen. Wenn ihr mehr über eine Beteiligung erfahrenen möchtet, könnt ihr uns gerne kontaktieren.

Wenn wir nicht versuchen, uns in dieser Weise zu organisieren , wenn wir unseren Austauschprozess nicht verstärken und eine geteilte Analyse des internationalen Funktionierens von diesem System entwickeln, werden wir offensichtlich nicht in der Lage sein, unsere eigene Agenda zu formulieren. Wir führen unsere Arbeit auf der Grundlage fort, dass die Doktrin „There is no Alternative“ ( Es gibt keine Alternative) reine Ideologie derjenigen ist, die keinen echten Umbruch sehen wollen. In diesen Zeiten der Austerität und populären Revolten, müssen wir unsere Formen von Organisierung und Aktion auf eine neue Ebene bringen. Wir sagen, dass wir die Begebenheiten verstehen und danach handeln müssen- wir wollen unsere radikalen Kritiken von Staat, Nation und Kapital, sowie die Stärkung von Selbstorganisierung und den Aufbau von Gegenmacht aus unseren politischen Milieus nehmen, hinein in unsere Nachbarschaften und weit darüber hinaus.

Beyond Europe, November 2013

Plan C (England)
Antiauthoritarian Movement | Αντιεξουσιαστική Κίνηση (Greece)
Drasi | Δράση (Greece)
…ums Ganze! (Germany & Austria)

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